Krankheitsbild

Die Parkinsonkrankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der es zu einem fortschreitenden Untergang von Nervenzellen im Gehirn kommt.

In den ersten Krankheitsjahren steht der Untergang der für die Produktion des Botenstoffes Dopamin verantwortlichen Nervenzellen in der Substantia nigra (Schwarze Substanz, im Mittelhirn gelegen) im Vordergrund. Der resultierende Dopaminmangel führt zu diversen Störungen der Motorik. Diese können durch die Behandlung mit L- Dopa, der Vorläufersubstanz von Dopamin, gut behandelt werden. Schon früh im Krankheitsverlauf sterben aber auch in anderen Regionen des Gehirns Nervenzellen ab, die nichts mit der Produktion von Dopamin zu tun haben. Dies führt zu einer Reihe von Symptomen (z. B. vegetative Störungen, Schmerzen, Schlafstörungen, psychische Symptome), die mit fortschreitender Krankheitsdauer für die Patienten immer belastender werden. Für diese Symptome sind die Behandlungsmöglichkeiten derzeit leider noch stark eingeschränkt.

Beginn

Parkinson beginnt in der Regel schleichend und mit individuellen, nicht immer klar differenzierten Symptomen. Zu den typischen Frühsymptomen gehören das einseitige Zittern einer Hand, wiederkehrende Krämpfe in einzelnen Gliedern, chronische Verspannungen im Hals- und Nackenbereich, Schlafstörungen, generelle Müdigkeit und Antriebslosigkeit, hartnäckige Verstopfung, Riechstörungen, aber auch Beschwerden beim Gehen sowie Depressionen.

 

Häufigkeit

Das Parkinsonsyndrom (Morbus Parkinson) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Weltweit gibt es rund 6,3 Millionen Patienten. Laut Studien wird ihre Zahl bis ins Jahr 2030 auf rund 8,7 Millionen steigen. In der Schweiz leben über 15 000 Betroffene. Parkinson betrifft etwa 1 Prozent der über 60-Jährigen und rund 3 Prozent der über 80-Jährigen. Bis zu 20 Prozent der Patienten sind bei der Diagnose jünger als 60 Jahre. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen.

 


Symtome

Die Symptomatik der Parkinsonkrankheit ist sehr individuell. Zudem schreitet die Erkrankung nicht bei allen Patienten gleich schnell voran. Daher hat jeder Betroffene seinen «eigenen» Parkinson mit ganz individuell ausgeprägter Symptomatik.

 

Bewegungsverlangsamung (Bradykinese, Akinese)

Flüssige Bewegungsabläufe fallen zunehmend schwerer. Vor allem automatische Bewegungen wie das Gehen oder Schreiben, die Gesunde ohne nachzudenken ausführen, sind betroffen. Aber auch die Feinmotorik (Knöpfe zumachen, Handy bedienen) ist betroffen. Mit fortschreitender Krankheit nimmt die Akinese zu.

 

Steifheit (Rigor)

Der Spannungszustand der Muskulatur ist ständig erhöht, vor allem an den Armen und Beinen. Die Patienten haben den Eindruck, ihre Glieder seien «wie gelähmt», und leiden häufig unter schmerzhaften Krämpfen. Auch die gebeugte Haltung ist Ausdruck der vermehrten Muskel-Steifheit.

 

Zittern in Ruhe (Ruhetremor) 

Das Ruhezittern, das bei rund zwei Dritteln der Betroffenen auftritt, ist anfangs in der Regel einseitig ausgeprägt. Die Arme sind meist stärker betroffen als die Beine. Bei gezielten Bewegungen verschwindet das Zittern. 

 

Haltungsinstabilität (posturale Instabilität)

Das Gleichgewicht des Menschen wird durch ein komplexes Regulationssystem sichergestellt, in welchem die automatisch ablaufenden Halte- und Stellreflexe eine zentrale Rolle einnehmen. Das Gleichgewicht bei Parkinson ist vor allem in späteren Krankheitsverlauf.

 

Weitere Symptome

Weitere häufige Symptome der Parkinsonkrankheit sind psychische Probleme (z. B. Depressionen), Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und des vegetativen Nervensystems (Blutdruckregulation, Verdauung und Temperaturregulation). In fortgeschrittenem Stadium sind Hirnleistungsstörungen nicht selten. 

Umgang

Wenn ein junger Mensch an Parkinson zu erkrankt, hat er oft mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, wie ein Senior. Mitten im Berufsleben, aktiv in Vereinen oder als Familienteil. Viel zu wenige Mitmenschen wissen, dass Parkinson heute keine reine Alterserkrankung mehr ist, sondern auch sehr junge Menschen treffen kann, ohne dass man die Ursache kennt. Etwa 10% der Betroffenen erkranken vor dem 40. Lebensjahr. Da auch bei jungen Patienten die Bewegungskoordination nicht mehr optimal ist, wird dies zusammen mit dem Zittern und der unsicheren Gangart als Alkohol-oder Drogensucht gesehen. Der juvenile Parkinson ist in Krankheitsbild und –Verlauf nicht mit dem Altersparkinson vergleichbar. Das gilt auch für Diagnose und Therapie. Die Nebenwirkungen der Medikamente werden mit der Zeit stärker und sind immer schwerer in den Griff zu bekommen. Junge chronisch Kranke haben zusätzliche Probleme sowohl in menschlicher wie in sozialer, wirtschaftlicher und partnerschaftlicher Hinsicht.

 

Unsere geistigen Fähigkeiten sind nicht betroffen; wir sehen unsere Situation klar und entwickeln oft, da früh aus dem Erwerbsleben geschieden, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle. Da das Leiden nicht verborgen werden kann, tendieren viele von uns dazu sich zu verstecken. Besonders im Hinblick auf unsere Partnerprobleme und auch wegen unserer am Anfang des Lebens stehenden Kinder ist ein erheblicher Aufwand an therapeutisch-sozialer Betreuung erforderlich.

 

Der Leistungsunterschied zu gleichaltrigen Gesunden ist bei jüngeren Patienten viel größer. Sei dies in der Berufswelt, in der Partnerschaft, im Verein oder ganz einfach unter Freunden. Da wir jungen Parkinsonkranken noch über viel Eigeninitiative und Energie verfügen, oft sehr aktiv oder auch engagiert sind, müssen wir darin bestärkt und unterstützt werden. Wir Jungen haben noch vitale Reserven. Zudem dürfen wir auf eine künftige Bewältigung der Krankheit dank wissenschaftlicher Neuentwicklungen hoffen. Wir, mitten im Leben stehenden jungen Betroffenen und unsere Angehörigen haben also ein weit stärker zukunftsgerichtetes Schicksalspanorama als die älteren, die bislang den Kreis der Parkinson-Betroffenen bildeten.

 


Ursachen

Obwohl die Parkinsonkrankheit bereits im Jahre 1817 vom englischen Arzt James Parkinson erstmals beschrieben wurde und die Forschung seither grosse Anstrengungen zur Ursachenklärung unternimmt, sind die genauen Ursachen von Parkinson nach wie vor nicht bekannt. Es wird ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Einfluss durch Umweltfaktoren diskutiert. Bisher konnte kein einzelner Faktor als alleiniger Auslöser identifiziert werden. Zwar ist eine Linderung der Symptome möglich – das Fortschreiten der Erkrankung kann aber nicht gebremst oder gar gestoppt werden.

 

 

Vererbung

Bei 5-10% der Parkinsonbetroffenen wird die Erkrankung vererbt und lässt sich auf einen bestimmten Gendefekt zurückführen. Genetische Risikofaktoren spielen aber auch bei der nicht-vererbten Form von Parkinson eine wichtige Rolle.

 

 


Quellen: parkinson.ch